truffls Jobstory – Claudias Neuanfang (Part 2)

Die truffls Jobstory – In unserem neuen Format werden wir Euch in regelmäßigen Abständen eine Geschichte aus dem Arbeitsleben erzählen. Unsere erste Jobstory handelt von Claudia, einer Ingenieurin aus Hessen, die eine Herausforderung im Berufsleben meistern muss. Das besondere daran: Ihr entscheidet durch eine Abstimmung am Ende des Artikels, wie Claudia diese Herausforderung angehen wird. Wie die Geschichte am Ende ausgeht, ist also komplett Euch überlassen. Was im vorherigen Part passiert ist, erfahrt ihr hier.

Eure Abstimmung aus Part 1 ergab: Claudia wird ihren Job kündigen.

 

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und sind gespannt, wie ihr entscheidet!


Neuanfang

 

Sie öffnet nach der Rückfahrt von ihren Eltern eine Flasche Wein, setzt sich auf die Couch in ihrem Wohnzimmer und beginnt auf ihrem Laptop zu tippen…

„Hiermit kündige ich zum nächstmöglichen Termin meinen Arbeitsvertrag.”

„Ob das so richtig ist”, fragt sich Claudia, während sie sich zurücklehnt und einen Schluck Wein nimmt. Sie hatte noch nie zuvor gekündigt und erklärt hatte es ihr auch noch nie jemand. Sie öffnet Google und tippt „Kündigung” ein. Zwischen Werbeanzeigen von Anwaltskanzleien und vielen juristischen Einträgen klickt sie auf eine Seite, die laut Eigenaussage alles notwendige für eine Kündigung auflisten soll. Die Seite ist langweilig und zählt Paragraphen auf. Claudia verliert den Faden und überlegt, ob das mit der Kündigung denn wirklich notwendig ist. Vielleicht sollte sie auf ihre Mutter hören und einfach die Zähne zusammenbeißen. „In ein paar Wochen werde ich 27”, denkt sie und muss kurze Zeit später über sich selbst lachen, weil sie tatsächlich rechnen wollte, wie lange sie noch zur Rente hat.

Nein, das funktioniert nicht. Sie braucht etwas neues. Aber was eigentlich? Ihr Fokus ist zurück, sie lehnt sich nach vorne über den Laptop und sucht nach Jobs. Also, wortwörtlich: Sie tippt „Jobs” bei Google ein und staunt zunächst über 5,7 Millionen Ergebnisse. Und da fällt Claudia das erste Mal auf, dass sie eigentlich gar nicht weiß, was sie genau machen will. Ihr Schädel brummt, der Wein macht sich bemerkbar. Sie beschließt, morgen weiterzumachen und erstmal ins Bett zu gehen.

 

Am nächsten Tag hört sie den Wecker nicht und verschläft. Als sie aufwacht und auf ihr Handy blickt, hat sie einige Nachrichten von ihrer Kollegin erhalten. Überrascht von der Zeit springt sie auf und spürt sofort den stechenden Schmerz in ihrem Kopf. „Siebenundzwanzig”, sagt sie geknirscht vor sich hin, als würde es jemand hören und muss grinsen. Sie beschließt, zu Hause zu bleiben und sich krank zu melden. Es ist das erste Mal, dass sie blaumacht. Sie legt sich mit dem Laptop ins Bett und sucht nach Jobs. Doch dieses Mal macht sie es anders als die Nacht zuvor: Sie sucht nicht nach Jobs, sie sucht nach Arbeitgebern, bei denen sie gerne arbeiten würde. „Im Grunde habe ich ja eine gute Ausbildung”, denkt sie, „Da muss ich mich nicht an Jobbezeichnungen aufhalten”. Sofort ist sie im Tunnel, liest seitenweise Beschreibungen von Unternehmen, schaut sich Wikipedia-Artikel an und ist begeistert von der Vielzahl an Möglichkeiten, die ihr der Jobmarkt vermeintlich bietet.

Die Zeit vergeht und als Claudia nach einer ganzen Weile aufsteht, um sich einen Tee zu machen, bemerkt sie, dass es draußen bereits dunkel geworden ist. Dann realisiert sie langsam, was sie gerade getan hat: Sie hat drei Unternehmen E-Mails mit ihren Bewerbungsunterlagen zukommen lassen. Drei Unternehmen, die alle gar nicht in der Nähe Kassels liegen und die vermutlich niemand aus ihrem Freundes- und Familienkreis kennt! Ihre eben noch so grenzenlos gewesene Sicherheit weicht langsam dahin und nimmt ihr abruptes Ende, als sie auf dem Laptop den letzten verbliebenen Tab wahrnimmt: Die Kündigung ist noch nicht fertig geschrieben und verhindert das Zuklappen des Laptops wie ein unsichtbarer Keil.

Während sie auf den Wasserkocher wartet stützt sie ihre Arme auf die Küchenzeile. Die Arbeitsplatte hatte sie selbst gemacht. Es ist eine grau melierte MDF-Platte, aber durch die von ihr gewählte Beschichtung hielten es viele ihrer Gäste regelmäßig für echtes Granit. Sie mochte es schon immer, Dinge herzustellen und schreckte dabei auch nie vor großem Gerät zurück. Privat war sie die Macherin, die ständig Herausforderungen suchte, warum also nicht auch beruflich?

Als Claudia mit ihrem Tee zurück ins Schlafzimmer kommt, schickt sie die Kündigung so wie sie ist an ihren Drucker und hält wenige Momente später ein Blatt Papier mit einem unformatierten Zweizeiler in der Hand.

Am nächsten Tag liegt genau dieser geschriebene Zweizeiler auf dem Schreibtisch von Mark. Unglaubwürdig sieht er Claudia an, die erwartungsvoll vor seinem Schreibtisch steht. Er blickt genauer auf das Papier, das ihm Claudia vor wenigen Augenblicken vor die Nase gelegt hatte. Unter den Zweizeiler hat Claudia links ihren Namen hingeschrieben und rechts daneben den von Mark. Oben rechts ist ein handschriftliches Datum vermerkt. Offenbar hatte dort zuvor 2018 gestanden, die acht wurde jedoch nachträglich mit einer neun übermalt.

Eine Stunde später steht Claudia im Foyer des Unternehmens und blickt auf das große Bild in der Lobby. Von weitem hört sie bereits die Sekretärin, ihre Stöckelschuhe hallen bei jedem Auftreten durch das weite Gebäude. Als sie bei Claudia angekommen ist, gibt sie ihr kommentarlos eine Klarsichtfolie mit Unterlagen, auf deren vorderer Umschlagseite in fetten Buchstaben das Wort „Aufhebungsvertrag” steht.

 

„Wissen Sie, was ich mich gerade frage”, sagt Claudia zur Sekretärin und blickt auf das große Bild, auf dem die beiden jungen, schwarzhaarigen Herren sich die Hand geben. “Ist Paul Allen nicht immer blond gewesen?”

 

Ohne eine Reaktion abzuwarten verlässt sie das Foyer des Softwareunternehmens, welches in diesem Moment zum ersten, letzten Arbeitgeber ihres Lebens geworden ist, nickt dem Pförtner zu und geht mit einem Gefühl der Freiheit vom Gelände.

Wenige Tage später hat sie auf alle drei E-Mails Rückmeldungen erhalten. Jedes der drei Unternehmen, die sie zuvor angeschrieben hat, zeigt Interesse an Claudia. Nun steht sie vor der Wahl…

 

Wo wird Claudia in Zukunft arbeiten?

  • Kreativagentur in Hamburg-HafenCity (50%, 6 Votes)
  • Start-Up in Berlin Mitte (42%, 5 Votes)
  • Großkonzern in München (8%, 1 Votes)

Total Voters: 12

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