truffls Jobstory – Claudia in Hamburg (Part 3)

Die truffls Jobstory – In unserem neuen Format werden wir Euch in regelmäßigen Abständen eine Geschichte aus dem Arbeitsleben erzählen. Unsere erste Jobstory handelt von Claudia, einer Ingenieurin aus Hessen, die eine Herausforderung im Berufsleben meistern muss. Das besondere daran: Ihr entscheidet durch eine Abstimmung am Ende des Artikels, wie Claudia diese Herausforderung angehen wird. Wie die Geschichte am Ende ausgeht, ist also komplett Euch überlassen. Was bisher passiert ist, erfahrt ihr hier:

Zu Part 1: Claudias Entscheidung

Zu Part 2: Claudias Neuanfang

 

Eure Abstimmung aus Part 2 ergab: Claudia startet ihr neues Leben in einer Kreativagentur in Hamburg!

 

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!


Hamburg

 

Wenige Tage später hat sie auf alle drei E-Mails Rückmeldungen erhalten. Jedes der drei Unternehmen, die sie zuvor angeschrieben hat, zeigt Interesse an Claudia. Nun steht sie vor der Wahl…

 

Als Claudia in Kassel in den ICE nach Hamburg steigt, überkommt sie ein eigenartiges Gefühl. Abgesehen vom Studium und dem Jahr als Au Pair hatte sie bisher ihr ganzes Leben in Nordhessen verbracht und war immer der Meinung, hier einmal sesshaft zu werden. Und nun setzt sich der Zug langsam in Bewegung, unaufhaltsam in Richtung Norden, in Richtung neues Kapitel.

Als der Zug so weit gerollt ist, dass sie ihre Eltern am Bahnsteig nicht mehr sehen kann, sackt sie langsam auf ihrem Sitz zusammen und schaut sich um. In dem Vierer neben ihr hat eine junge Frau mit dem Maxi-Cosi Platz genommen, die eben noch neben ihr am Bahnsteig stand. Gegenüber von Claudia sitzt ein etwa fünfzigjähriger Geschäftsmann mit Krawatte und schwarzem Anzug, der kurz von seiner Zeitung aufgeblickt hatte, als sie das Abteil betrat und flüchtig über den Sitzen nach der Nummer ihrer Reservierung Ausschau hielt. Nachdem sie Platz genommen hatte, war er schon wieder in den Tiefen der Zeitung verschwunden.

Er erinnerte Claudia an ihren letzten Chef. Er legte immer sehr viel Wert auf die Kleidung in seinem Unternehmen. Einmal wurde Claudia von der Sekretärin darauf hingewiesen, dass sie ihre Sneaker nicht im Büro tragen sollte, wenn der Chef gerade da ist. Bei ihrem neuen Arbeitgeber war das anders. Ihr Vorstellungsgespräch war jetzt genau zwei Wochen her und sie muss noch ein wenig lachen, wenn sie sich daran erinnert. Wie sie es gewohnt war, hatte sie sich schick gemacht, trug ein marineblaues Kostüm und passende Schuhe.

Als ihr die Tür geöffnet wurde, merkte sie sofort, dass die Arbeitsumgebung hier eine andere war. Vor ihr stand ein junger Mann, Anfang 20, Hoodie und Cap, die Hose mit Rissen. Er trat einen Schritt zurück und zog die Tür bis zum Anschlag weit auf, ehe er mit einem beinahe gesungenen „Hereinspaziert“ einen Knick machte und mit dem rechten Arm in den langen Flur gestikulierte. Claudia war etwas baff und blieb wie angewurzelt vor dem Eingang stehen. War sie hier richtig? Sie blickte in den langen Gang, an dessen Wänden sich mehrere offenstehende Glastüren befanden. Am hinteren Ende des Ganges stand in großen goldenen Lettern „AfG“ und darunter in Versalien „Alt für Glanz“. Sie war definitiv in der richtigen Agentur.

„Hier noch jemand zugestiegen?“, fragte der Schaffner und holte Claudia aus ihren Erinnerungen. Sie brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass der Schaffner sich mit der Frage ganz gezielt an sie richtete. Er stand erwartungsvoll vor ihr und blickte sie an. Und wieder fragte er, dieses Mal noch etwas strenger als zuvor: „Noch jemand zugestiegen?“. Ohne zu antworten kramte Claudia ihr Smartphone aus der Tasche und zeigte ihm ihr Ticket. Er säufzte laut, als sein Lesegerät offenbar nach mehreren Anläufen nicht in der Lage war, den Strichcode von ihrem Display zu scannen. Nach einer Weile bedankte er sich und ging schnellen Schrittes davon.

Claudia blickte aus dem Fenster. Es hatte begonnen zu regnen und die Tropfen verliefen fast waagerecht an dem Fenster des Waggons. Ein Blick auf die Anzeige im Zug verriet ihr, dass sie bereits hinter Hannover sein mussten. „Der Regen gehört zum Norden einfach dazu“, hatte ihr der Makler gesagt, als sie vor einigen Tagen ihre zukünftige Wohnung in Hamburg besichtigte. Auch bei der Wohnungsbesichtigung regnete es. Sie hatte ein kleines ein-Zimmer-Appartement im Süden Hamburgs gemietet, für das sie dasselbe zahlte, wie für ihre geräumige zwei-Zimmer-Wohnung am Stadtrand von Kassel. Das Appartement war bereits möbliert, ihre Sachen aus der alten Wohnung hatte sie bei ihren Eltern im Keller untergestellt. Die Kaution hatte sie von ihrem Ersparten gestellt, sie wollte unter keinen Umständen Geld von ihren Eltern annehmen. Sie wussten auch nicht, dass Claudia in ihrem neuen Job weniger verdienen würde, als im bisherigen. Sie hätten es auch nicht verstanden. Natürlich war Geld ein Faktor, der auf die Jobsuche Einfluss nahm. Aber Claudia waren andere Dinge mindestens genau so wichtig und als sie bei ihrem Vorstellungsgespräch durch die Agentur geführt wurde, merkte sie schnell, dass sie Lust hatte dort zu arbeiten.

Als sie an dem Praktikanten vorbeiging und den Flur betrat, hörte sie überall Stimmen. In jedem der einzelnen Büros, deren Zugänge über den Flur gingen, war Leben. Sie verstand nicht, was die Leute sprachen, aber es klang freundlich und unterhaltsam. „Ich habe einen Termin mit Monika Hewitt“, sagte sie zum Praktikanten, bekam aber keine Reaktion. Eine Frau stolperte aus einem der vorderen Büros und ging gezielt auf Claudia zu. Weit bevor sie in Griffweite war, streckte sie schon ihre Hand aus und lächelte sie an. „Ich bin Moni, du musst Claudia sein“, sagte sie und fügte ohne eine Antwort abzuwarten an: „Heute ist es etwas chaotisch hier, magst du was trinken? Kaffee, Wasser, Bier?“ Claudia überlegte kurz. Wo genau war sie hier? Galten hier noch die Gesetze, die sie zuvor über die Arbeitswelt lernte? Die Frau vor ihr, die ganz offenbar ihre neue Vorgesetzte zu sein schien, stellte sich direkt mit Vornamen, ja sogar mit Spitznamen vor und bot ihr persönlich Getränke an. Wie sollte sie damit umgehen?

 

Wie hat Claudia im Vorstellungsgespräch reagiert?

  • Sie hat den Kaffee genommen (43%, 3 Votes)
  • Sie hat das Bier genommen (43%, 3 Votes)
  • Sie hat das Wasser genommen (14%, 1 Votes)
  • Sie hat dankend abgelehnt (0%, 0 Votes)

Total Voters: 7

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